Zwischenruf zum Tod von Peter Scholl-Latour

Journalistische Zeitgeschichte in einem Phoenix-Interview

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Eben habe ich im Phoenix-Dialog ein langes, intelligent geführtes Fernsehinterview mit Peter Scholl-Latour verfolgt. Ich habe diesen Mann in den 90er-Jahren beruflich kennengelernt bei einem Interview, das ich von Ostdeutschland aus mit einem koffergroßen C-Netztelefon geführt habe. Das Gespräch brach gefühlt 20 Mal zusammen. Wenn ich es dann nach vielen Versuchen erneut geschafft hatte, eine Verbindung aufzubauen, setzte er seine Ausführungen einfach dort fort, wo wir unterbrochen worden waren. Im Nachhinein noch einmal Danke für seine Geduld. Später habe ich ihn auch noch einmal persönlich getroffen, und einige seiner Einschätzungen von damals klangen auch in diesem aktuellen TV-Interview durch.

Das Phoenix-Interview hat sich für mich noch einmal offenbart, warum ich mich vor diesem Mann verbeuge, der die Welt mit 90 Jahren verlassen hat. In dem im Juni 2014 geführten Gespräch berichtete er von seinen Plänen, demnächst in den Tschad zu reisen. Ich habe noch einmal alte Ausschnitte aus Vietnam gesehen, wo er 1973 von den Vietcong gefangengenommen worden war. Clip aus dieser Sendung.

Phoenix brachte auch Ausschnitte aus einem Bericht, den er vor zehn Jahren in der Ukraine gedreht hatte. Seine damalige Einschätzung der Lage und auch zum Verhalten des Westens und der Nato entspricht dem Ergebnis, das man - soweit ich das mit laienhaftem Blick von außen betrachten kann - heute betrauern muss.

Als der Interviewer den Satz eines Magazins zitierte, das Scholl-Latour als "letzten Welterklärer" bezeichnete, antwortete der bescheiden, dass er sich über die Nachwirkung seiner Schriften keine Illusionen mache. Das kann ich nicht beurteilen. in meiner Erinnerung lebt er als Persönlichkeit auf jeden Fall weiter.

Troisdorf/Bonn, 17. August 2014

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