Interview: Volker Fasbender über das "Schicksalsjahr" 2013

Ein Gespräch über Wachstumschancen, Beschäftigungs-Risiken, Multikulti & mehr

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Im Gespräch mit Carsten Seim äußert sich Volker Fasbender, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, über notwendige Strategien zur Sicherung des Personalbedarfs der Wirtschaft und Gefahren, die 2013 für Wachstum und Beschäftigung drohen.

Voker Fasbender: Interview mit Carsten Seim"Wenn in Deutschland bestimmte politische Ansätze, sich auf dem Erreichten auszuruhen und Wohltaten zu verteilen, weiterverfolgt werden, ... , dann würde es mich nicht wundern, wenn sich die Produktion wieder aus Deutschland wegbewegen würde", erklärte Fasbender. Unter anderem führte er dazu aus:

"Wir haben eine immer massiver geführte Debatte um Mindestlöhne und Branchenzuschläge bei der Zeitarbeit – und was da sonst noch alles kommen mag. Hier werden für viele Menschen Türen zum Arbeitsmarkt zugeschlagen. In den vergangenen zwei Jahren habe ich viele Gespräche mit Unternehmen geführt, die Zeitarbeitnehmer beschäftigen. Oft habe ich dem Sinn nach Folgendes gehört: `Bis zu einem gewissen Grad akzeptiere ich auch eine Verteuerung. Doch ab einer gewissen Schwelle kann ich das nicht mehr akzeptieren und muss Produktion auslagern.´ Viele Unternehmen produzieren ja nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Ländern. Eine Verlagerung von Produktionsarbeit ins Ausland würde nicht als abrupte Standortverlagerung, sondern schleichend und nach und nach stattfinden."

Vor der Kulisse des demografischen Wandels und befürchteten Fachkräfteengpässen erklärte der Hesssenmetall-Hauptgeschäftsführer:

"Insgesamt muss der Trend zur stetigen Arbeitszeitverkürzung aus Zeiten der geburtenstarken Jahrgänge umgekehrt werden, damit das Pro-Kopf-Arbeitsvolumen steigen kann. Das bedeutet nicht, dass wir das Rad komplett zurückdrehen wollen. Bis 1984, dem Jahr, als die letzte große Welle der Arbeitszeitverkürzung begann, war man auf 40 Wochenstunden eingestellt. Die Wochenstundenzahl ist aber nur ein Parameter. Eine weitere Möglichkeit liegt darin, Teilzeit- in Vollzeitstellen umzuwandeln oder wenigstens die Stundenzahlen von Teilzeitstellen zu erhöhen." 

Fasbender verteidigte das Abitur nach 12 Jahren. Für ihn ist es angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen notwendig

"Einige möchten den bequemeren Weg zumindest als Möglichkeit, weil sie den Eindruck haben, dass sie nichts verlieren, wenn sie ein Jahr länger auf der Schule bleiben. Um eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit kommen wir aber nicht herum. Und das betrifft das untere Ende ebenso wie das obere. In vielen anderen Ländern ist das Abitur mit 18 seit jeher üblich."

Er forderte über die Blue Card hinaus gehende Regelungen, damit mehr Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland kommen können:

"Wir müssen die Zuwanderung von Menschen mit hierzulande nachgefragten Skills auch aus Nicht-EU-Ländern deutlich erleichtern – und zwar nach kanadischem Muster über ein Punktesystem, das eine bedarfsorientierte Zuwanderung nach Deutschland ermöglicht. Wer die Kriterien erfüllt, muss nach Deutschland kommen können, auch wenn sie oder er hierzulande noch keinen Arbeitsvertrag mit einem Mindesteinkommen von 60.000 Euro pro Jahr hat, wie es die Blue Card vorsieht. Dieses System halten wir für nicht praxistauglich. Wir müssen die Schwellen über die Blue Card hinaus weiter senken. Wenn jemand mit gefragten Fähigkeiten ohne Arbeitsvertrag nach Deutschland kommt, wird es für ihn kein Kunststück sein, eine Beschäftigung zu finden."

Das Interview mit Hessenmetall-Hauptgeschäftsführer Volker Fasbender führte Carsten Seim für Betriebspraxis & Arbeitsforschung, die die wissenschaftliche Fachzeitschrift des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa, in Düsseldorf. Das gesamte Gespräch ist auf den Seiten von Hessenmetall dokumentiert.

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